Lebensskript nach Eric Berne verstehen
Wie dein Lebensskript dein Verhalten unbewusst lenkt
Ein Lebensskript - auch unbewusster Lebensplan genannt - ist ein Begriff aus der Transaktionsanalyse nach Eric Berne. Schon in frühester Kindheit entsteht dieser unbewusste Lebensplan, damit sich das Kind in der Welt zurechtfindet und seine existentiellen Grundbedürfnisse möglichst gut erfüllen kann.
Meist schützt er das Kind dabei, mit schwierigen oder lieblosen Bedingungen umzugehen. Er entsteht nicht durch rationale Überlegungen, sondern entwickelt sich unbewusst aus den frühen Erfahrungen mit den Bezugspersonen.
Warum unsere frühesten Erfahrungen und existenziellen Grundbedürfnisse unser späteres Denken, Fühlen und Handeln so stark prägen, erfährst du im Artikel - Existentielle Grundbedürfnisse verstehen.
Entstehung des Lebensskripts: Kindheit, Glaubenssätze & frühe Entscheidungen
Das klein kindliche Denken kennt noch nicht das Konzept von Ursache und Wirkung. Wenn ein Kind eine mögliche Bedrohung fühlt, wählt es ein Skript aus, um das eigene Überleben sichern zu können. Das Kleinkind passt sich den gegebenen Umständen an und identifiziert sich mit den elterlichen Weisungen und Zuschreibungen, um ihnen gefällig zu sein und geliebt zu werden. Neben positiven „Erlauber-Botschaften“, die das Kind in seiner Persönlichkeitsentwicklung fördern, gibt es leider auch sogenannte „Bannbotschaften“. Diese enthalten stets die Aufforderung, einen bestimmten „Seins-Zustand“ nicht zu leben. Wie zum Beispiel:
„Sei nicht gefühlvoll!“
„Sei kein Kind!“
„Sei nicht Du selbst!“
Bannbotschaften und ihre Auswirkungen im Erwachsenenalter
Der Lebensplan wird durch das nonverbale Verhalten der Eltern verstärkt, und äußert sich im Erwachsenenalter unbewusst in verschiedenen Fehlverhalten. Zum Beispiel kann ein Erwachsener, der die Bannbotschaft „sei nicht gefühlvoll“ in sein Skript integriert hat, im späteren Leben zu unkontrollierten Gefühlsausbrüchen neigen. Er hat einfach nicht gelernt, angemessen gefühlvoll zu reagieren. Oder die Botschaft „sei kein Kind“ kann den Menschen später dazu veranlassen, in völlig unpassenden Momenten „kindisch“ zu sein, oder in eine fatale „Genusssucht“ zu verfallen. Zu viel Alkohol, kein Maß halten beim Essen, oder übertriebene Unordnung. Oftmals liegen diesen Skripten dann auch folgende Grundhaltungen zugrunde:
„Ich bin nicht ok – Du bist ok!“
„Ich bin nicht ok – Du bist nicht ok!“
Menschen mit diesen Einstellungen können oft nur erschwert ein Selbstwertgefühl entwickeln. Sie fühlen sich erfolglos oder leiden an der Sinnlosigkeit ihres Lebens.
Frühkindliches Lebensskript und Gegenskript verstehen
Zusätzlich zum frühkindlichen Skript gibt es noch ein sogenanntes „Gegenskript“. Dies stammt aus der späten Kindheit, wenn das Kind schon sprechen kann. Es wird daher auch verbal getroffen. Es drückt sich in Verallgemeinerungen, Schlagwörtern und unpersönlichen Formulierungen aus, beispielsweise durch:
„Ich muss immer als Bester abschneiden!“
„Traue keinem!“
„Die Anderen nutzen Dich nur aus!“
„Man muss immer hart arbeiten!“
„Man streitet nicht!“
Diese Skriptentscheidungen, die das ältere Kind annimmt, sind in erster Linie dazu da, gesellschaftlich dazugehören zu können, soziale Anerkennung zu erhalten und nicht ständig in Konflikte mit der Umwelt zu geraten. Negativ gesehen kann das Gegenskript allerdings auch schädigenden Charakter für die Persönlichkeit haben, wenn starke Forderungen und Gebote das Kind unangemessen in seinen Handlungen einschränken.
Lebensskript erkennen: Typische Muster und Glaubenssätze
Die Botschaften des Gegenskripts lassen sich häufig leichter erkennen als die frühkindlichen Skriptentscheidungen. Oft reichen schon gezielte Fragen zu Glaubenssätzen und wiederkehrenden Aussagen, um festzustellen, dass viele Überzeugungen auf irrationalen Annahmen beruhen. In meiner Beratung unterstütze ich Klientinnen dabei, diese Muster Schritt für Schritt sichtbar zu machen.
Wenn du immer wieder an ähnliche Grenzen stößt oder dich bestimmte Gefühle und Verhaltensweisen belasten, kann meine psychologische Beratung für persönliche Herausforderungen ein guter erster Schritt sein, um deine Situation besser zu verstehen.
Schwieriger wird es mit den frühkindlichen Entscheidungen. Diese sind tief im Unterbewusstsein verankert und damit nicht bewusst. Sie wurden nicht rational getroffen, sondern vielmehr aufgrund diffuser Gefühle, die ein Kind in sich trägt. Wir sind uns dieser „Muster“ als Erwachsene nicht mehr bewusst, leben aber leider immer noch danach. Daher helfen auch keine Techniken, die nur die mentale Ebene in uns aktivieren.
Alte Muster erkennen und nachhaltig verändern
Auch im Erwachsenenalter können die Gefühle hinter den Skriptentscheidungen wieder zugänglich werden. Dadurch lassen sich unbewusste Strategien erkennen und Schritt für Schritt verändern. In meiner Beratung nutze ich dafür unter anderem das hypnotische Gespräch.
Es reicht niemals aus, nur deine Glaubenssätze und Skriptüberzeugungen zu verändern, sondern deine damit verbundenen Gefühle müssen mit aufgelöst werden. Nur dann kannst du neue Muster des Denkens, Fühlens und Verhaltens entwickeln und in dein Leben integrieren. Rückblickend sind meine Klientinnen dann erleichtert, weil sie sich und ihr bisheriges Leben endlich verstehen. Sie waren niemals zu dumm, zu schwach oder zu uninteressant, sondern haben lediglich auf Anleitung ihres Unterbewusstseins reagiert. Sie haben sich immer unbewusst in Anlehnung ihres Skripts verhalten.
Warum dein Lebensskript Sicherheit vermittelt
Ein unbewusstes Lebensskript, also ein unbewusster Lebensplan, gibt dir bei der Bewältigung eines Problems natürlich auch Sicherheit. Selbst dann, wenn es nicht zielführend ist und dich sogar unglücklich macht. Für viele Menschen stellen neue Erfahrungen eine so große Bedrohung dar, dass alles lieber im Außen passend gemacht wird, damit die einmal festgelegte Überzeugung unantastbar bleibt. Das läuft jedoch alles unbewusst ab und kann daher nicht mithilfe des Verstandes verändert werden.
Lebensskript neu schreiben
Die Fixierung auf dein Skript bleibt so lange bestehen, bis du dir über deinen Lebensplan bewusst wirst. Es ist also nicht unabänderlich. Du hast dich als Kind unbewusst dafür entschieden, was aber nicht bedeutet, dass damit auch dein weiteres „Schicksal“ determiniert bleibt. Auch eine einmal getroffene Entscheidung kann verändert werden.
Viele Menschen beginnen sich erst nach einer belastenden Lebensphase intensiver mit ihrem Lebensskript auseinanderzusetzen. In meiner Beratung unterstütze ich sie dabei, die dahinterliegenden Gefühle und körperlichen Signale besser zu verstehen. Sie finden meistens durch ein sehr emotionales Ereignis zu mir. Ich helfe ihnen dabei, ihr eigentliches Skript über die Ansprache der Gefühle und über ihre körperlichen Symptome, ausfindig zu machen. Wenn Kundinnen eine Situation beschreiben und beispielsweise Magenschmerzen und Herzrasen bekommen, ohne eine rationale Erklärung abliefern zu können, so ist dies ein Hinweis auf das eigentliche, frühkindliche Skript.
Alte Lebensskriptmuster loslassen und neue Wege gehen
Zur Aufhebung deines Lebensskripts ist es sehr wichtig, das frühkindliche Skript und auch das später entstandene Gegenskript aufzudecken. Alle Einzelheiten müssen erfasst werden. Als Kind nahmen wir die Welt in erster Linie über die Emotionen wahr. Die Entscheidungen aus der frühen Kindheit sind daher sehr extrem, und auf der Grundlage geistiger Funktionen entstanden, die sich von denen der Erwachsenen sehr stark unterscheiden.
Daher wird die Arbeit mit dem Unterbewusstsein von starken Gefühlsäußerungen begleitet. Aber gerade diese zeigen uns den Weg zu den Verletzungen auf. Das Geschenk dieser Arbeit ist eine neue stabile emotionale Basis und innere Balance, die auch dann noch aufrechterhalten bleibt, wenn wir größeren mentalen und emotionalen Belastungen ausgesetzt sind. Der große Vorteil dieser Bewusstwerdung liegt in der Chance, unser Leben komplett zu verbessern, da wir nicht mehr Sklave unserer eigenen unbewussten frühkindlichen Entscheidungen sind. Wir sind keine 5-jährigen Kinder mehr und das Schreiben haben wir auch alle gelernt.
Als Autor unseres Lebens - können wir somit ein „neues Drehbuch“ schreiben.